Diagnose und Behandlung

Neurochirurgische Diagnostik und Beratung beim Normaldruckhydrozephalus
Ein Normaldruckhydrozephalus kann sich durch eine zunehmende Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, eine nachlassende geistige Leistungsfähigkeit sowie vermehrten Harndrang oder Harninkontinenz bemerkbar machen. Nicht alle Beschwerden müssen gleichzeitig vorliegen; häufig steht die Gangstörung im Vordergrund.
Ursache ist eine Störung des Kreislaufs oder der Aufnahme des Liquors, wodurch sich die inneren Flüssigkeitsräume des Gehirns – die sogenannten Hirnkammern oder Ventrikel – erweitern.
Der Liquor ist eine klare Flüssigkeit, die durch die Hirnkammern sowie um Gehirn und Rückenmark zirkuliert. Er schützt das zentrale Nervensystem und ist an dessen Stoffwechsel beteiligt. Trotz der Bezeichnung „Normaldruckhydrozephalus“ kann der Liquordruck zeitweise erhöht sein.
Symptome des Normaldruckhydrozephalus
Der Normaldruckhydrozephalus ist typischerweise durch drei Symptomgruppen gekennzeichnet: eine Gangstörung, Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit sowie Blasenfunktionsstörungen. Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig oder gleich stark ausgeprägt sein. Häufig steht zunächst die Gangstörung im Vordergrund.
Gangstörung
Der Gang wird zunehmend langsam, kleinschrittig und breitbasig. Typisch sind Schwierigkeiten beim Anlaufen und Wenden sowie das Gefühl, dass die Füße am Boden haften. Diese sogenannte magnetische Gangstörung erhöht das Sturzrisiko.
Blasenfunktionsstörung
Anfangs können ein häufiger und plötzlich einsetzender Harndrang auftreten. Im weiteren Verlauf kann sich daraus eine Dranginkontinenz mit unwillkürlichem Urinverlust entwickeln.
Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit
Typisch sind eine allgemeine Verlangsamung sowie Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Konzentration, Planung und Organisation. Auch Antriebslosigkeit oder Teilnahmslosigkeit können auftreten. Im weiteren Verlauf sind Gedächtnis- und Orientierungsstörungen möglich. Das Beschwerdebild kann dadurch einer Demenzerkrankung ähneln.
Diagnose eines Normaldruckhydrozephalus
Die Diagnose ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Beschwerden, der klinischen Untersuchung und typischen Veränderungen in der MRT- oder CT-Bildgebung. Gleichzeitig müssen andere Ursachen der Gangstörung und der kognitiven Veränderungen berücksichtigt werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist der Liquorablassversuch, auch Tap-Test genannt. Vor und nach der Untersuchung werden insbesondere das Gangbild und gegebenenfalls die geistige Leistungsfähigkeit anhand standardisierter Tests beurteilt. Anschließend werden über eine Lumbalpunktion im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule meist etwa 30 bis 40 Milliliter Liquor entnommen.
Eine objektive Verbesserung nach der Liquorentnahme unterstützt den Verdacht auf einen Normaldruckhydrozephalus und spricht für ein mögliches Ansprechen auf eine Shunt-Operation. Eine ausbleibende Besserung schließt die Erkrankung jedoch nicht sicher aus. Bei unklaren Ergebnissen können weiterführende Untersuchungen in einem spezialisierten Zentrum erforderlich sein.
Die klinische Testung und der Liquorablassversuch können nach individueller Prüfung der Voraussetzungen, ausführlicher Aufklärung und Einwilligung ambulant in meiner Fachpraxis durchgeführt werden.
Behandlung des Normaldruckhydrozephalus
Shunt-Operation
Ergeben die Untersuchungen einen Normaldruckhydrozephalus und ist eine Besserung durch eine operative Behandlung zu erwarten, kann ein sogenannter ventrikuloperitonealer Shunt eingesetzt werden. Dabei wird ein dünner Katheter in eine Hirnkammer eingeführt und unter der Haut bis in den Bauchraum geleitet. Überschüssiger Liquor kann dadurch abfließen und im Bauchraum vom Körper aufgenommen werden.
Ein Ventil reguliert die Menge des abfließenden Liquors. Bei modernen programmierbaren Ventilen kann die Einstellung nach der Operation von außen angepasst werden, ohne dass hierfür ein weiterer Eingriff erforderlich ist.
Nach einer erfolgreichen Shunt-Operation bessert sich häufig zuerst die Gangstörung. Auch Blasenfunktionsstörungen und Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit können sich zurückbilden; Ausmaß und Geschwindigkeit der Besserung sind jedoch individuell unterschiedlich. Nicht alle Betroffenen profitieren gleichermaßen, weshalb eine sorgfältige Diagnostik und Patientenauswahl besonders wichtig sind.
In meiner Fachpraxis führe ich die neurochirurgische Abklärung einschließlich des Liquorablassversuchs durch. Besteht eine Operationsindikation, vermittle ich Sie gezielt an eine spezialisierte neurochirurgische Klinik und begleite Sie anschließend im Rahmen der neurochirurgischen Nachsorge.